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Zum Ableben von Jörg Haake



Nicht klagen wollen wir über seinen Tod, sondern uns freuen, dass es Jörg Haake gegeben hat. Am 14. Oktober 2017 ist Jörg Haake im Alter von 78 Jahren in Berlin verstorben. Er zählte zu den bedeutenden Funktionären des deutschen Wasserballsports.

Beim Blick auf seine vielen Aktivitäten rings um den Wasserballsport muss man Jörg Haake als einen echten Glücksfall betrachten. Der übliche Start als Spieler beim Steglitzer SC, dann als Schiedsrichter, brachte ihn früh als Nachfolger von Walter Mehlberg in das Amt des Berliner Wasserballwarts.

Seine Ehe mit der PANAM-Stewardess Karin Haake ermöglichte ihm verbilligte Reisen zu allen wichtigen Wasserball-Höhepunkten in der Welt. Früh knüpfte er dadurch internationale Kontakte. Alfred Balen, der spätere Spandau-Trainer, wurde beispielsweise in Mexiko-Stadt engagiert, als seine Tätigkeit als mexikanischer Nationaltrainer mit den Olympischen Spielen 1968 endete.

Mit Balen hatte Haake für Berlin einen Trainer gewonnen, der den sportlichen Dornröschenschlaf dieser geteilten und isolierten Stadt schlagartig beendete. Mit der Durchführung von internationalen Städteturnieren rückte Berlin wieder in den weltweiten Fokus. Diese Stadtmannschaftsturniere gingen so lang, bis sich mit Wasserfreunde Spandau 04 eine spielstarke Berliner Mannschaft entwickelt hatte.

Als Mitglied im DSV-Wasserballausschuss (WA) versuchte Haake bei entsprechender Vakanz 1974, Alfred Balen als Bundestrainer einzusetzen, scheiterte aber am Widerstand seiner westdeutschen Kollegen. Konsequenterweise verließ Haake daraufhin den WA, nur um so strahlender ein Jahr darauf beim Verbandstag in Erlangen zum DSV-Wasserballwart gewählt zu werden. Haakes Einflussbereich wurde noch größer, als er auch in die Funktionärsebene der LEN aufgenommen wurde, wo er viele Jahre als Sekretär die europäischen Aktivitäten maßgeblich mitsteuerte.

Firoiu als Bundestrainer

Eine wichtige Personalie fiel gleich auf den Anfang seiner Amtszeit. Er entschied sich jetzt für Nicolae Firoiu als Bundestrainer. Der Vertrag enthielt keine Kündigungsklausel, ein Umstand, der später viel kritisiert wurde. Aber Vita und Auftreten des gebürtigen Rumänen Firoiu waren so überzeugend, dass sein Schritt nachvollziehbar war.

Welche Kontakte die III. Weltmeisterschaft für Berlin (West), diese international so umstrittene Stadt für das Jahr 1978 möglich machten, bleibt interessant und teils unbeantwortet. Jörg Haake wurde für diese WM ins Organisationskomitee berufen. Er konnte auf glanzvolle Wettkämpfe zurückblicken, Ost-West-Barrieren wurden durchlässig.

Haake sah in den Folgejahren, wie seine Saat in Berlin mit Trainer Balen aufging. Im Europapokal reihte sich Erfolg an Erfolg. Selbst als Balen nach drei gewonnenen Europacups unmittelbar nach dem Gewinn seines zweiten LEN-Supercups 1986 in Zürich verstarb, blieb die Spandauer Leistungskurve durch Nachfolger Uwe Gassmann ganz oben.

Nach der staatlichen Einheit 1990 veränderte sich einiges im beruflichen Leben des Hobby-Funktionärs Jörg Haake, den es auch beruflich im Berliner Senat ganz nach oben getragen hatte.
Einen repräsentativen Abschluss seiner Funktionärslaufbahn erfuhr Jörg Haake 1998 durch die Wahl zum Präsidenten des Berliner Schwimm-Verbandes, eine Position, die er bis 2005 bekleidete.

Privat eine Stimmungskanone

Trotz seines großen Engagements für den Sport blieb Haake Zeit für gesellige Stunden. Wenn dann eine Runde zusammenkam, war Jörg Haake ein großartiger Stimmungsmacher. Unvergesslich für den Verfasser dieser Zeilen und stellvertretend für viele Zusammenkünfte war der Kreis während der Europameisterschaft 1999 in Florenz. Was Jörg Haake dort für ein Feuerwerk zündete, bleibt allen Beteiligten sicherlich unvergesslich. Inmitten eines Weingutes in der Toskana vor den Toren der Stadt wohnten und feierten Pollmann, Scheuermann, Selzsam, Jacobs, Schwill, Wittenberg, Lüdecke und Pixken, allesamt mit ihren Frauen. Freddy Pixken war Haakes westdeutsches Pendant, genauso schlagfertig, witzig und originell. Und der italienische Wein floß in Strömen ......

Was bleibt, ist eine unvergessliche Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen.

Dr. Günter Schwill

(Vorveröffentlichung aus swim & more - offizielles Organ des Deutschen Schwimm-Verbandes)


Mitteilung erstellt am 2.11.2017

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